Mein Standard

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Ausgabe:

14

Maori Haas Murota

Köchin

Geboren in Tokio. Mit 17 Jahren zieht sie nach New York und lebt anschließend
in Bali und Tokio, bevor sie sich 2003 in Paris niederlässt. Nach ihrer
Arbeit im Modebereich beschließt sie, sich beruflich neu zu entwickeln und
wechselt ins Catering. Sie eröffnet eine Kochschule in Paris und veröffentlicht
mit Marabout die Kochbücher Tokio – Die Kultrezepte und Japan Home
Kitchen. 2023 zieht sie nach Nagano. Dort bringt sie unter anderem ein
Buch über die vegetarische Pariser Küche (mit Seigensha) heraus. Derzeit
arbeitet Maori an einem neuen Buch. Auf Instagram teilt sie vegane Alltagsrezepte
unter @maorimurota.

maorimurota

Gut durch den Winter.

„Im Winter kann die Küche auf bis zu -10 °C abkühlen. Wir müssen Lebensmittel
also in den Kühlschrank stellen, damit sie nicht frieren. In der
Früh öffne ich manchmal die Eingangstür und stehe vor einer Schneewand.
Meinen Führerschein habe ich erst nach meinem Umzug hierher gemacht.
Es kann wirklich frustrierend sein, über die schneebedeckten Hügel zu fahren,
aber da es in diesem Gebiet so viele Berge wie Madarao, Myoko, Togakushi
und Iizuna gibt, hält es mein Mann, ein begeisterter Skifahrer, für ein
Paradies. Das erste Freilandgemüse des Jahres ist Fukinoto. Es sprießt zuerst
unter dem Schnee hervor. Bevor wir im Juni frisches Gemüse ernten können,
verwenden wir das Gemüse, das wir im Eiskeller lagern.“

Vor drei Jahren zog Maori mit ihrer Familie von Paris nach Nagano.
Ihr Mann Hugo, Architekt, und Jimmy, ein befreundeter schwedischer
Tischler, stecken viel Arbeit in die Renovierung des 150 Jahre alten Hauses.
Heute schließen sie die Arbeit an den Wänden ab und isolieren die Böden
mit einem natürlichen Dämmstoff aus Reishülsen und Limetten.

„Wenn hier
irgendwann einmal niemand mehr lebt, möchten wir, dass das Haus ganz
natürlich verfällt. Derzeit arbeiten wir am Dach und dem Schlafzimmer. Das
halbe Haus ist eine Baustelle. Die Arbeitsfläche in der Küche, meinem Arbeitsplatz,
stammt von einem Schreibtisch aus einer Schule. Den Korb, den
wir für die Gemüseernte in unserem Garten verwenden, und die Laternen
für unsere Beleuchtung sind ebenfalls Geschenke, die wir sehr schätzen.“

Lokaler geht‘s nicht

„Wir essen hauptsächlich lokal angebautes Gemüse. Das sind ertragreiche
Ernten. Für das heutige Mittagessen nehme ich Tomaten, Satsumaimo,
eine japanische Süßkartoffel, und Auberginen. Ich verbringe etwa zwei
Stunden in der Küche und überlege mir, was ich am besten kochen
kann, als ob ich bei einer Gameshow wäre. Vieles koche ich zum ersten
Mal. Wenn es gut ist, mache ich es wieder und versuche, das Rezept
aufzuschreiben. Da ich auch Kochbücher verfasse, kritzle ich oft in meine
Notizbücher, als würde ich Zaubersprüche festhalten. Da ich gerne
improvisiere, fällt es mir schwer, die genauen Mengen für ein Rezept
abzumessen.

Warum gehen wir nicht Gemüse aus dem Garten holen? Ich
möchte Mitsuba ernten. Außerdem haben wir Basilikum, Myoga und reife
Kirschtomaten. Ich koche hier mit ganz anderen Zutaten als in Paris.
Dort kaufen die Leute Obst und Gemüse am Markt und wählen vor allem
saisonale Produkte aus. Hier koche ich ausschließlich mit Nahrungsmitteln,
die nicht weiter als einen halben Kilometer von hier angebaut wurden.
Lokaler geht‘s nicht. Die Auberginen, die Jimmy anbaut, sind voller
Samen. Wir essen sie mit Sojajoghurt und Tomatensauce oder machen ein
libanesisches Gericht mit Chilliöl, das wir mit unserer Misansho-Würzpaste
zubereiten. Mein Mann isst gegrillte Aubergine für sein Leben gern.“

Maori isst hauptsächlich vegan, ihr Mann Hugo vor
allem Gemüse. Wenn sie eingeladen werden, essen sie
aber immer gerne das, was ihnen serviert wird. Heutzutage
ist es eine bewundernswerte Eigenschaft, wenn
jemand seine eigenen Regeln nicht so genau nimmt,
um es für jemand anderen leichter zu machen.

Was machst du eigentlich wirklich gern?

Maori lebte 20 Jahre lang in Paris. Sie strebte eine berufliche Laufbahn in
der Modebranche an und arbeitete als Designassistentin für Christophe
Lemaire. Sie hatte Freude daran, Neues zu kreieren. Doch als sie einen
Schritt zurück machte, um die wechselhafte Welt der Modetrends mit
etwas Abstand zu betrachten, und sich fragte, was sie eigentlich wirklich
gerne macht, beschloss sie, sich in Zukunft dem Kochen zu widmen.

Ein Teil der Reishülsenlieferung wird
gerade im Arbeitsbereich von Hugo getrocknet.
Sie sind für die selbstgemachte
Dämmung bestimmt, die Böden und
Wände besser gegen Kälte isolieren soll.
Als Gründer des Pariser Architekturteams
Ciguë arbeitete Hugo an Innenausstattungen
für das Uniqlo U Designstudio
in Paris. Heute führt er das Hugo Haas
Studio und arbeitet an verschiedenen
Projekten in Tokio und Paris.

„Mein Vater und meine Mutter kochen auch. Ich half ihnen von klein
auf. Es gab Gerichte aus Japan und aller Welt. Für mich geht es beim Reisen
hauptsächlich ums Essen. Besonders asiatisches Streetfood. Davon bekomme
ich nie genug. Als ich den Mut hatte, mein Geld mit Kochen zu verdienen,
übernahm ich das Catering für eine kleine Show von Lemaire. Nach dem
Umzug nach Nagano 2023 schrieb ich Kochbücher und bereitete Gerichte
mit lokalen Bioprodukten für Vrac Market zu. Das ist der Laden eines Freundes
hier, der mir den Umzug erleichtert hat. Ich wurde in Tokio geboren und
habe lange in Städten wie New York und Paris gelebt. Dies ist das erste Mal,
dass ich auf dem Land lebe. Ich spüre, wie die Umgebung auf mich einwirkt.
Das hat mir gezeigt, wie wichtig eine Gemeinschaft ist. Mein Mann spricht
nur wenig Japanisch, aber er hilft in der Nachbarschaft trotzdem beim Holzhacken.
Wir dachten, dass wir hier ein ruhiges Leben führen würden, müssen
aber ständig neue Herausforderungen überwinden – sei es die Gemüseernte
oder Schneeschaufeln. Das durchschnittliche Alter beträgt hier 85 Jahre. Wir
wollen diesen Lebensstil so lange wie möglich beibehalten. Nichts übertreiben,
sondern auf natürliche Weise arbeiten und Spaß haben.“

Maoris Familie geht gerne zum Teich in der Nähe ihres Hauses. Denim ist das perfekte Material für ihren von der Natur geprägten Lebensstil. Hugos Utility Jeansjacke und weite Jeans stammen aus der Kollektion dieser Saison.

Meine bewährte Uniform

Bei ihrem Umzug von Paris nach Nagano nahmen Maori und ihr Mann nur
jeweils zwei Koffer mit. Sie mussten also viel zurücklassen. Doch eine UNIQLO
Jeans, die Maori schon sein 15 Jahren trug, durfte in ihrem Koffer nicht fehlen.

„Als ich von der Mode zum Kochen wechselte, änderte sich auch mein Kleidungsstil.
Ich trug damals meist Haute Couture, ging aber eines Tages an einer
UNIQLO Filiale in Paris vorbei und fand ganz einfache Jeans. Ich kann sie auf
dem Feld tragen. Sie haben viele Löcher. Ich zögere nicht, meine schmutzigen
Hände daran abzuwischen. Ich möchte meine Alltagskleidung lange tragen und
sie soll Teil meines täglichen Lebens werden. So wie Geschirr und Rezepte. An
Gerichten, die jeder zubereiten kann, gibt es nichts auszusetzen. Meinen Gürtel
habe ich schon seit Paris, die Jeansjacke habe ich in einem Secondhand-Laden
gekauft. Es gefällt mir, wenn man sieht, dass etwas schon benutzt wurde – egal
ob bei Kleidungsstücken, Geschirr oder Werkzeugen. Als ich vor ein paar Jahren
begann, mich auf vegane Gerichte zu konzentrieren, beschloss ich auch Secondhand-
Kleidung zu tragen.

Vielleicht hat das etwas mit der Mingei-Ästhetik zu tun,
bei der Risse ein Kunstwerk noch schöner machen. Für mich geht es vor allem
um bequeme Langlebigkeit. Und darum, sich nicht von Regeln zurückhalten zu
lassen. UNIQLO ist für unsere Familie sehr wichtig. Es gehört zum Alltag dazu.“

© Keith Haring Foundation. Lizenziert
von Artestar, New York.

Maoris Tochter trägt nach der Schule ein Keith Haring Shirt von UT.

  • Fotos: Kazufumi Shimoyashiki
  • Text: Tamio Ogasawara

*Stand der Informationen: Dezember 2025.