Von Sashiko, Handwerk & Zusammenarbeit
May 15, 2025
Anderes
Im Gespräch mit Studio Masachuka
English version below
Sashiko, eine jahrhundertealte dekorative Nähtechnik zum Verstärken von Kleidung, erlebt ein stilles, aber starkes Comeback, angeführt von Studio Masachuka, die dieser Kunstform neues Leben einhauchen.
UNIQLO arbeitet seit der Eröffnung des ersten RE.UNIQLO Studios 2022 mit Masahiro Morikawa, dem Gründer von Studio Masachuka, zusammen. Heute bieten wir in allen europäischen RE.UNIQLO Studios maßgeschneiderte Sashiko-Reparaturtechniken und die individuelle Gestaltung alter und neuer Kleidungsstücke an. Die Preise beginnen bei 15 Euro. Um Sashiko noch zugänglicher und erschwinglicher zu machen, bieten wir in unseren RE.UNIQLO Studios ab sofort maschinell gefertigte Sashiko-Aufnäher an.
Um dies gebührend zu feiern, unterhielten wir uns mit Masahiro über die Wurzeln von Sashiko, darüber, warum es ihn so berührt und wie sich aus einer persönlichen Leidenschaft eine vollwertige Karriere entwickelte.
Ob du schon seit langem Fan von Sashiko bist oder die Technik gerade erst für dich entdeckst, das folgende Gespräch bietet einen tiefen Einblick in das Handwerk und den Künstler, der alten Fäden eine neue Bedeutung verleiht.
1. Was ist Sashiko und warum liebst du dieses Handwerk so sehr?
Sashiko ist eine jahrhundertealte japanische Nähtechnik zum Reparieren und Verstärken abgetragener Kleidung. Dabei wird Kleidung mit alten Stoffeen und ungefärbten oder natürlich gefärbten Fäden geflickt. Sashiko wirkt nicht protzig oder extravagant, sondern greift das japanische Wabi-Sabi-Konzept auf – Schönheit im Unvollkommenen und im Lauf der Zeit.
Ich liebe Sashiko, weil es alter Kleidung neues Leben einhaucht und gleichzeitig deren Geschichte würdigt. Jeder Stich zeugt von großer Sorgfalt und nachhaltiger Handwerkskunst und macht jedes Stück sowohl praktisch als auch einzigartig. Als Schneider möchte ich, dass jedes Kleidungsstück so lange wie möglich getragen, geliebt und geschätzt wird – das ist mein Wunsch. Es geht nicht nur ums Reparieren, sondern darum, Erinnerungen zu bewahren und Kleidung buchstäblich zu einem Teil von mir zu machen.
2. Wie kam es, dass du diesen Weg in deiner Karriere eingeschlagen hast?
Es war wohl meine Liebe zu Vintage-Kleidung, insbesondere Denim. Als Student reparierte ich meine abgetragenen Jeans mit Aufnähern – obwohl ich damals keine Ahnung hatte, was Sashiko war. Während meines Auslandsstudiums erhielt ich viele Komplimente für meine Reparaturen im Boro-Stil. Also beschloss ich mehr für andere anzufertigen und gründete mein eigenes Unternehmen.
Nach meinem Abschluss arbeitete ich in einer Firma, merkte aber bald, dass ich mich wieder auf Denim konzentrieren wollte. Ich kehrte in meine Heimatstadt zurück, um eine Ausbildung zum Schneider zu machen, und ein großzügiger Fabrikbesitzer stellte mich ein. Die Fabrik spezialisierte sich auf maßgeschneiderte Jacken, nicht auf Denim, aber ich verliebte mich in die Schneiderei und legte meine Denim-Pläne vorübergehend auf Eis.
Drei Jahre später, 2011, zog ich nach Großbritannien, um die Welt der Schneiderei noch weiter zu erkunden. Ich arbeitete in einer Bekleidungsfabrik in Südlondon, lernte etwas über Fabrikmanagement und eröffnete 2012 mein eigenes Nähstudio. Seitdem biete ich Schnittmustererstellung, Sampling und Kleinserienproduktion für verschiedene Marken in Großbritannien und der EU an. Mit der Zeit habe ich mich auch stärker mit meinem japanischen Erbe auseinandergesetzt und ein wachsendes Interesse an traditionellen Methoden wie Sashiko entwickelt.
3. Kannst du uns erzählen, wie es zu deiner Arbeit in den RE.UNIQLO Studios, zuerst in London und später weltweit, kam?
Während dieser Zeit wurde ich von einer Mitarbeiterin des Nachhaltigkeitsteams von UNIQLO kontaktiert, der es eine Herzensangelegenheit war, die UNIQLO Kleidung unserer Kundschaft länger im Umlauf zu halten und eine einzigartige japanische Methode zur Ausbesserung einzuführen – Sashiko. Meine Aufgabe bestand darin, die internen Reparaturteams in Näh- und Sashiko-Techniken zu schulen.
Zur Eröffnung des RE.UNIQLO Studios in der Regent Street hatten wir die Möglichkeit, einen Boro-inspirierten Kimono für die Ladenpräsentation zu entwerfen. Ich war erstaunt über das große Interesse an dieser jahrhundertealten japanischen Ausbesserungstechnik. Nach dem erfolgreichen Start begannen wir ein Upcycling-Projekt mit verschiedenen Techniken, um bestehenden Kleidungsstücken neues Leben einzuhauchen.
Glücklicherweise blieb es nicht bei Europa. Wir führten in New York eine Live-Demonstration zum Upcycling von Kimonostücken durch, kreierten in Singapur eine Kollektion mit lokalem Batik und veranstalteten Events und Workshops an verschiedenen Standorten in Japan. Als Bekleidungshersteller fühle ich mich geehrt, UNIQLOs Mission, jedes Kleidungsstück zu schätzen, zu unterstützen und einen Beitrag zu ihrem Weg zur Kreislaufwirtschaft zu leisten.
4. Hast du besondere Geschichten über unsere Kund:innen parat, denen du während deiner Arbeit in den Stores begegnet bist?
Ja, es gibt diese unvergessliche Geschichte von einer Upcycling-Vorführung in New York. Eine Frau aus der Gegend sah uns dabei zu, wie wir einen Kimono zu einem neuen Kleidungsstück umfunktionierten. Sie war so begeistert, dass sie sofort nach Hause ging, einige ihrer Kleider von UNIQLO holte und sie zur Reparatur zurückbrachte. Gleich am nächsten Tag kam sie mit noch mehr Stücken zurück und bat uns, auch diese upzucyceln. Sie erzählte mir, wie glücklich sie war, dass ihre Lieblingsstücke ein zweites Leben bekamen und wie sehr sie sich darauf freute, sie wieder zu tragen.
Das hat mich wirklich daran erinnert, dass Kleidung zum Tragen da ist, und Upcycling eine schöne Möglichkeit ist, sie zu nutzen, anstatt sie ungetragen im Schrank hängen zu lassen. Obwohl die Veranstaltung kostenlos war, bestand sie sogar darauf, uns ein Trinkgeld zu geben – und es kostete mich einige Überwindung, höflich abzulehnen. In diesem Moment wurde mir klar, wie sehr Menschen die Möglichkeit schätzen, durch Upcycling wieder etwas mit ihrer Kleidung zu tun zu haben.
5. Welches ist dein liebstes Sashiko-Kleidungsstück und warum?
Mein liebstes Sashiko-Stück befindet sich derzeit nicht in meinem Kleiderschrank, sondern ist in einem UNIQLO Store ausgestellt. Es handelt sich um ein Upcycling-Kimono-Set, das komplett aus Artikeln von UNIQLO besteht. Aus zwei Trenchcoats habe ich einen Haori-Mantel genäht, aus einer Jacke eine Weste mit Kimonokragen, aus einer Bluse ein Hemd mit Origami-Kragen, aus Pyjamas Kummerbunde und aus zwei Hosen traditionelle japanische Monpe-Hosen.
Diesen Kimono habe ich speziell für ein Treffen mit König Charles angefertigt – vielleicht bin ich die erste Person, die im Buckingham Palace Upcycling-Kleidung getragen hat! Es war ein ganz besonderer Moment, nicht nur für mich, sondern für alle, die dieses Projekt bei UNIQLO ermöglicht haben. Ich wollte diesen Erfolg unbedingt mit dem gesamten Team feiern.
Der Sashiko-Service von Hand wird von unserem erfahrenen, von Masa Morikawa geschulten Personal für deine alten oder neuen UNIQLO Artikel in allen 21 RE.UNIQLO Studios in Europa angeboten.
Ab dem 22. Mai sind maschinenerstellte Sashiko-Aufnäher (zwischen 6 und 12 € pro Stück) in allen RE.UNIQLO Studios erhältlich.
Hier erfährst du mehr über unsere RE.UNIQLO Studios in Deutschland.
Sashiko, the centuries-old Japanese technique of decorative reinforcement stitching, is having a quiet but powerful resurgence — and leading the charge is Studio Masachuka, whose work has breathed new life into the art form.
UNIQLO started to collaborate with Masahiro Morikawa, founder of Studio Masachuka, when launching the first RE.UNIQLO STUDIO in 2022. Today, we offer bespoke Sashiko mending techniques and customization of both old and new garments in all our European RE.UNIQLO STUDIOs, prices starting at 15 Euros. Now as we aim to make Sashiko even more accessible and affordable, we will begin offering machine made Sashiko patches in our RE.UNIQLO STUDIOs.
To celebrate this, we had the chance to speak with the artist himself about the roots of sashiko, why it speaks to him so deeply, and how a personal passion transformed into a full-fledged career.
Whether you’re a longtime admirer of sashiko or just discovering its textured beauty, this conversation offers a deeper look at the craft — and the artist stitching new meaning into old threads.
1. What is Sashiko and why do you love this craft?
Sashiko is a centuries-old Japanese stitching technique for mending and reinforcing worn-out clothing. It involves patching old garments with aged fabric and using undyed or naturally coloured threads. Rather than looking flashy or fancy, Sashiko embraces the Japanese concept of wabi-sabi—finding beauty in imperfection and the passage of time.
I love Sashiko because it breathes new life into old garments while honouring their history. Each stitch reflects mindful care and sustainable craftsmanship, making every piece both practical and uniquely beautiful. Also, as a garment maker, I want each piece to be worn, loved, and respected for as long as possible—that’s our wish. It’s not just about repairing but about keeping all the memories and making it literally part of you.
2. How come you found this path in your career?
I discovered my path through my love of vintage clothing, especially denim. As a student, I repaired my worn jeans with pieces of Japanese fabric—although I had no idea what Sashiko was at the time. While studying abroad, I received a lot of compliments on my Boro-style repairs, so I decided to make more for others and started a small business.
After graduating, I worked at a company but soon realized I wanted to focus on denim again. I returned to my hometown looking for a place to learn garment construction, and a generous factory owner gave me a job. The factory specialized in tailored jackets, not denim, but I fell in love with tailoring and temporarily set aside my denim plans.
Three years later, I moved to the UK in 2011 to explore the world of tailoring even further. I worked in a South London garment factory, learned about factory management, and opened my own sewing studio in 2012. Since then, I’ve offered pattern cutting, sampling, and small-scale production for various brands in the UK and EU. Over time, I’ve also embraced my Japanese heritage more deeply, developing a growing interest in traditional methods like Sashiko.
3. Can you tell us the story of how you started working with RE.UNIQLO STUDIO, from London to all over the world?
During that period, I was contacted by a member of UNIQLO’s sustainability team who was passionate about keeping customers’ beloved UNIQLO items in circulation longer and looking to introduce a unique Japanese approach to mending —Sashiko. My role was to provide sewing and Sashiko training to their in-house repair teams.
For the opening of RE.UNIQLO STUDIO in Regent Street, we had the chance to create a Boro-inspired kimono for store display. I was amazed by how much interest there was in this centuries-old Japanese mending technique. Following the successful launch, we began an upcycling project using various techniques, to breathe new life into existing garments.
Fortunately, it didn’t stop in Europe. We conducted a live demonstration of upcycling kimono pieces in New York, created a collection in Singapore using local batik, and held events and workshops in several locations across Japan. As a garment maker, I’m honoured to support UNIQLO’s mission of cherishing each garment and feel privileged to contribute to their circularity journey.
4. Do you have any special anecdotes, customer voices from UNIQLO when you have been engaging with them in our stores?
Yes, I have a memorable story from an upcycling demonstration we did in New York. A local woman watched us repurpose a kimono into a new garment and was so inspired that she immediately went home, grabbed some of her UNIQLO clothes, and brought them back for repairs. The very next day, she returned with even more pieces, asking us to upcycle those as well. She told me how happy she was to see her favorite garments given a second life and how excited she was to wear them again.
It really reminded me that clothes are meant to be worn, and upcycling is a beautiful way to keep them in use rather than leaving them unworn in a closet. Although the event was free, she even insisted on giving us a tip—and it took some effort to politely decline. That moment made me realize just how much people appreciate and value the chance to reconnect with their clothing through upcycling.
5. Which item is your favorite Sashiko item in your wardrobe, and why?
My favourite Sashiko piece isn’t actually in my personal wardrobe right now—it’s on display at a UNIQLO store. It’s an upcycled “kimono suite” made entirely from UNIQLO items: I turned two trench coats into a Haori coat, transformed a jacket into a kimono-collar waistcoat, a blouse into an origami-collar dress shirt, pyjamas into cummerbunds (a sash belt), and two pairs of trousers into traditional Japanese Monpe pants.
I created this kimono especially for a meeting with King Charles—maybe I'm the first person to visit Buckingham Palace in upcycled garments! It was a very special moment, not just for me but for everyone who helped make this UNIQLO project happen. I really wanted to celebrate that achievement with the whole team.
Sashiko service by hand is available by our skilled in house staff - trained by Masa Morikawa - on your old or new UNIQLO items in all 21 RE.UNIQLO STUDIOs in Europe: UK, France, Germany, Spain, Italy, Germany, Sweden, Denmark, Belgium, Netherlands and Luxembourg.
From May 22, more affordable machine made Sashiko patches (prices ranging from 6 € - 12 €) are available in our RE.UNIQLO STUDIOs.
Visit your local RE.UNIQLO STUDIO page here.
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