Licht an

Fotos: Kazufumi Shimoyashiki
Redaktion & Text: Tamio Ogasawara

Seit das erste Neonlicht vor einhundert Jahren in Paris erstrahlte, haben die bunten Röhren die Nächte in unseren Städten in bunte Farben gehüllt. Fasziniert von dem verführerischen Licht, biegt der junge japanische Künstler WAKU die Leuchtstoffröhren mit äußerster Sorgfalt und setzt damit die einzigartige Tradition der Neonreklame fort.

WAKU

Neonglasbläser

Geboren 1996 in Tokio. Er war 2017 während seines Studium in der Lehre bei Shimada Neon und zog 2018 nach New York. Nachdem er seine Fähigkeiten bei Brooklyn Glass verfeinerte, zog er 2019 zurück nach Japan. Im selben Jahr hielt er seine erste Einzelausstellung Gowanus ab und präsentiert seine Arbeiten seitdem regelmäßig. Neben seiner Kunst, nimmt er auch Aufträge für Geschäfte und andere Kund:innen an.

Die blaue Flamme erwacht unter furchteinflößendem Gebrüll zum Leben. Mittels eines Schlauchs und Mundstücks nutzt WAKU seinen Atem als Werkzeug und formt das Glas nach seiner Vorstellung. Bei Kontakt mit dem Material färbt sich die Flamme orange und erleuchtet sein Gesicht. Das zerbrechliche Glas wurde in kurzer Zeit zu einer bezaubernden Form gebogen.

WAKUs neues Atelier befindet sich in Edogawa inmitten der vielen kleinen Werkstätten im Osten Tokios. Erst einige Monate sind seit seinem Umzug vergangen und der Ort gleicht eher einem Forschungslabor als einer Werkstatt voller Gerümpel. WAKU ist 25 Jahre alt und obwohl die Welt voller kreativer Künstler:innen ist, lassen sich jene, die Neonlichter herstellen, schnell zusammenzählen.

Vor dem Neonschild war das Licht

„Ursprünglich wollte ich eine Neonröhre in meinem Zimmer haben. Aber als ich mich mit dem Thema näher beschäftigte, erfuhr ich, dass die Röhren in einem Vakuum erhitzt und gebogen werden, man Elektroden befestigt und Gas verwendet. Nichts, was man einfach mal so macht. Anfangs suchte ich einen Ort, um zu beobachten und zu lernen. Shimada Neon hießen mich willkommen und als ich die Neonröhren im Licht herumliegen sah, stand ich in ihrem Bann. Ich wollte zusehen, lernen und selbst Neonglasbläser werden. Das war kurz vor meinem 20. Geburtstag.“

WAKU besuchte Shimada Neon einmal pro Woche und probierte sich bei der ersten Gelegenheit an den Werkzeugen. Doch um das Handwerk zu meistern, müsste er mehr als einmal die Woche üben. Also pausierte er sein Studium für ein Jahr und zog nach New York, wo er eine Ausbildung bei Brooklyn Glass begann.

„Auf meinem Weg nach New York, hielt ich in San Francisco und fragte in einer Neon-Werkstatt, wo ich mich ausbilden lassen könnte. Man erzählte mir von Brooklyn Glass, wo man mit vielen Glassorten arbeitet, nicht nur Neon. Dort angekommen, war ich fünf bis sechs Tage die Woche in der Werkstatt und übte, Röhren zu biegen. Jeden Tag nur Grundlagen. Bei Neon geht es darum, ein Muskelgedächtnis und ein Gespür für das Biegen der Röhren zu erlangen. Das Biegen und Blasen sind zwei unterschiedliche Welten. Brooklyn Glass vermietete die Brenner pro Tag und um Kosten zu sparen, bestand mein Frühstück aus einer Banane, Gebäck und einem lausigen Kaffee aus der Nachbarschaft. Bei Problemen stand mir mein Freund Cody zur Seite, der drei Jahre mehr Erfahrung hatte und wie ein Bruder für mich war. Ich habe viel von ihm lernen können. Schon während der Ausbildung erhielt ich Aufträge, Schilder herzustellen. So auch von UNIQLO, die mich baten, ein Schild für ihr Geschäft in San Francisco anzufertigen.“

Die Auftragsarbeiten waren eine neue und großartige Herausforderung, als würde man ein komplexes Puzzle lösen. Je schwerer sie waren, umso spaßiger für WAKU. Jedes fertige Projekt beflügelte ihn regelrecht. An dem Schild für UNIQLO arbeitete er volle fünf Monate. Oft lässt er sich für seine Arbeiten von der Natur inspirieren, dem genauen Gegenteil der menschgemachten Neonschilder.

WAKU fertigt eine Skizze an und biegt das Glas nach den vorgegebenen Formen. Besondere Tricks sind nötig, wenn die Röhren sich dreimal oder öfter überkreuzen. Eine Neonröhre besteht aus mit Gas gefülltem Glas. Wird Strom hinzugefügt, kollidiert dieser mit dem Gas und es entsteht Licht. Die meistgenutzten Gase sind das blauleuchtende Argon und Neon, das rot leuchtet. Verschiedene Farben und Effekte lassen sich durch gefärbtes Glas, fluoreszierende Röhren oder andere Gase erzielen. Noch kann WAKU die Röhren in seinem Atelier nicht mit Gas füllen, plant dies jedoch in Zukunft zu ändern.

Seit das erste Neonlicht vor einhundert Jahren in Paris erstrahlte, haben die bunten Röhren die Nächte in unseren Städten in bunte Farben gehüllt. Fasziniert von dem verführerischen Licht, biegt der junge japanische Künstler WAKU die Leuchtstoffröhren mit äußerster Sorgfalt und setzt damit die einzigartige Tradition der Neonreklame fort.

WAKU

Neonglasbläser

Geboren 1996 in Tokio. Er war 2017 während seines Studium in der Lehre bei Shimada Neon und zog 2018 nach New York. Nachdem er seine Fähigkeiten bei Brooklyn Glass verfeinerte, zog er 2019 zurück nach Japan. Im selben Jahr hielt er seine erste Einzelausstellung Gowanus ab und präsentiert seine Arbeiten seitdem regelmäßig. Neben seiner Kunst, nimmt er auch Aufträge für Geschäfte und andere Kund:innen an.

Die blaue Flamme erwacht unter furchteinflößendem Gebrüll zum Leben. Mittels eines Schlauchs und Mundstücks nutzt WAKU seinen Atem als Werkzeug und formt das Glas nach seiner Vorstellung. Bei Kontakt mit dem Material färbt sich die Flamme orange und erleuchtet sein Gesicht. Das zerbrechliche Glas wurde in kurzer Zeit zu einer bezaubernden Form gebogen.

WAKUs neues Atelier befindet sich in Edogawa inmitten der vielen kleinen Werkstätten im Osten Tokios. Erst einige Monate sind seit seinem Umzug vergangen und der Ort gleicht eher einem Forschungslabor als einer Werkstatt voller Gerümpel. WAKU ist 25 Jahre alt und obwohl die Welt voller kreativer Künstler:innen ist, lassen sich jene, die Neonlichter herstellen, schnell zusammenzählen.

Vor dem Neonschild war das Licht

„Ursprünglich wollte ich eine Neonröhre in meinem Zimmer haben. Aber als ich mich mit dem Thema näher beschäftigte, erfuhr ich, dass die Röhren in einem Vakuum erhitzt und gebogen werden, man Elektroden befestigt und Gas verwendet. Nichts, was man einfach mal so macht. Anfangs suchte ich einen Ort, um zu beobachten und zu lernen. Shimada Neon hießen mich willkommen und als ich die Neonröhren im Licht herumliegen sah, stand ich in ihrem Bann. Ich wollte zusehen, lernen und selbst Neonglasbläser werden. Das war kurz vor meinem 20. Geburtstag.“

WAKU besuchte Shimada Neon einmal pro Woche und probierte sich bei der ersten Gelegenheit an den Werkzeugen. Doch um das Handwerk zu meistern, müsste er mehr als einmal die Woche üben. Also pausierte er sein Studium für ein Jahr und zog nach New York, wo er eine Ausbildung bei Brooklyn Glass begann.

WAKU fertigt eine Skizze an und biegt das Glas nach den vorgegebenen Formen. Besondere Tricks sind nötig, wenn die Röhren sich dreimal oder öfter überkreuzen. Eine Neonröhre besteht aus mit Gas gefülltem Glas. Wird Strom hinzugefügt, kollidiert dieser mit dem Gas und es entsteht Licht. Die meistgenutzten Gase sind das blauleuchtende Argon und Neon, das rot leuchtet. Verschiedene Farben und Effekte lassen sich durch gefärbtes Glas, fluoreszierende Röhren oder andere Gase erzielen. Noch kann WAKU die Röhren in seinem Atelier nicht mit Gas füllen, plant dies jedoch in Zukunft zu ändern.

„Auf meinem Weg nach New York, hielt ich in San Francisco und fragte in einer Neon-Werkstatt, wo ich mich ausbilden lassen könnte. Man erzählte mir von Brooklyn Glass, wo man mit vielen Glassorten arbeitet, nicht nur Neon. Dort angekommen, war ich fünf bis sechs Tage die Woche in der Werkstatt und übte, Röhren zu biegen. Jeden Tag nur Grundlagen. Bei Neon geht es darum, ein Muskelgedächtnis und ein Gespür für das Biegen der Röhren zu erlangen. Das Biegen und Blasen sind zwei unterschiedliche Welten. Brooklyn Glass vermietete die Brenner pro Tag und um Kosten zu sparen, bestand mein Frühstück aus einer Banane, Gebäck und einem lausigen Kaffee aus der Nachbarschaft. Bei Problemen stand mir mein Freund Cody zur Seite, der drei Jahre mehr Erfahrung hatte und wie ein Bruder für mich war. Ich habe viel von ihm lernen können. Schon während der Ausbildung erhielt ich Aufträge, Schilder herzustellen. So auch von UNIQLO, die mich baten, ein Schild für ihr Geschäft in San Francisco anzufertigen.“

Die Auftragsarbeiten waren eine neue und großartige Herausforderung, als würde man ein komplexes Puzzle lösen. Je schwerer sie waren, umso spaßiger für WAKU. Jedes fertige Projekt beflügelte ihn regelrecht. An dem Schild für UNIQLO arbeitete er volle fünf Monate. Oft lässt er sich für seine Arbeiten von der Natur inspirieren, dem genauen Gegenteil der menschgemachten Neonschilder.

Verliebt in die allumfassende Kraft des Lichts

„Ich spiele mit natürlichen Umrissen und Formen des Alltags, um zu sehen, was den empfindlichen Neonschildern entgegensteht. Es ist kein Buddhismus, aber das brennende Licht fühlt sich spirituell befreiend an. Der Reiz für Licht entstammt dem Gefühl des Allumfassenden, das ich als Kind bei morgendlichen Tempelbesuchen vor dem Altar spürte. Bevor ich die Wörter oder Nachricht eines Neonschilds sehe, fühle ich die einzigartige Gegenwart des Lichts. Es löst eine Reaktion aus, die bis in die Kindheit zurückreicht; eine Art Ruhe. Ich möchte weiterhin Neonschilder herstellen und in ihrer Nähe sein. Ihre Macht besteht für mich darin, dass sie mich an einen Ort emotionaler Reinheit führen.“

Vorgestellt vor 100 Jahren im Pariser Autosalon, fand man Neonschilder bald darauf in den Schaufenstern vieler Friseursalons der Stadt. Seitdem gelten sie als wichtiger kultureller Aspekt. Vor nicht allzu langer Zeit badeten die Städte des Nachts im faszinierenden und warmen Neonlicht, unter dem sich die Menschen versammelten. Doch die Städte von heute setzen vermehrt auf LED und verwenden immer weniger Neonschilder. Junge Künstler:innen wie WAKU halten das Handwerk am Leben und tauchen die Städte zumindest vereinzelt noch immer in das faszinierende Neonlicht. Für einige nur Licht und für andere eine Leidenschaft.

Über dem Arbeitsplatz befinden sich Galerie und Büro. WAKU verdankt seinen Erfolg Masayoshi Shimada von Shimada Neon und dem Neon-Designer Kei Moriyama. Noch heute fragt er sie um Rat und arbeitet mit ihnen zusammen.

WAKUs Arbeit im Eingang der ersten Etage des UNIQLO Stores in Ginza. Über 100 Buchstaben formen eine Botschaft. Früher erstrahlte das Viertel überall in Neonlicht.

1. Inspiriert vom traditionellen Fischerdorf Ine in der Präfektur Kyoto. 2020, B 1200 x H 400 x T 350mm, 12mm Argongas.

2. Erste ausgestellte Arbeit, inspiriert von den einstigen Neonschildern über japanischen Straßenkreuzungen. 2019, B 1660 x H 1200mm, 10mm Argongas.

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