Hallo, Sofia

Interview mit Sofia Coppola

  • Fotos: Andrew Durham Styling: Stacey Battat
  • Haar: Ayumi Yamamoto Make-up: Katie Mellinger
  • Text: Kunichi Nomura

Wir haben Modeikone, Regisseurin, Drehbuchautorin und Mutter Sofia Coppola in ihrem Atelier in New York besucht und ihr 25 Fragen über ihr Leben und ihre Arbeit gestellt.

Wir haben Modeikone, Regisseurin, Drehbuchautorin und Mutter Sofia Coppola in ihrem Atelier in New York besucht und ihr 25 Fragen über ihr Leben und ihre Arbeit gestellt.

1. Erzähl uns etwas über deine Heimatstadt und dein jetziges zu Hause, New York. Was liebst du an der Stadt?
Ich bin in Napa Valley auf dem Land aufgewachsen und bin dort noch immer gern zu Besuch. New York ist ganz anders und ich lebe sehr gern in einer aufregenden Stadt, in der so viel los ist. Ich besuche oft West Village, das sich wie eine Kleinstadt anfühlt. Ich liebe, dass Kunst, Film, Musik und Schreiben hier aufeinandertreffen und dass du so viele verschiedene Menschen siehst, während du durch die Straßen gehst (anders als in Kalifornien, wo alle nur Auto fahren). Ich liebe die Atmosphäre.
2. Wie war es für dich, an der Westküste Kunst zu studieren? Wie war es damals in Kalifornien?
Es war schön, in North Carolina aufzuwachsen. Wir sind einfach durch die Stadt gefahren und haben Musik gehört. Die Zeit im Cal Arts (California Institute of Arts) und in Los Angeles während der 90er bereitete mir viel Spaß, umgeben von kreativen Menschen, von Musik und Film. Man fühlte sich frei und es war die richtige Zeit, sich auszuprobieren, ohne den Druck der sozialen Medien. Vor Instagram waren wir freier.
3. Du bist in einer Hollywood-Familie aufgewachsen. Wie hat dieser Umstand dein Leben beeinflusst?
Ich war umgeben von Kulissen und kreativen Leuten und lernte eine Menge über Regie und Filme im Allgemeinen. Die Zeit war sehr inspirierend und lehrte mich, Regisseurin zu sein und den Film als Kunstform anzusehen.
4. Du hast unter Paul Jasmin Fotografie studiert. Was veranlasste dich, zum Film zu gehen?
Ich war schon immer eine Freundin der Fotografie und Paul Jasmin ermutigte mich, den besonderen Blickwinkel meiner Fotos zu erkennen, was auch meine Filme beeinflusste. Bis ich das Buch The Virgin Suicides las, dachte ich nie daran, Filme zu drehen. Doch ich hatte das Gefühl, zu wissen, wie die Adaption aussehen sollte und fühlte mich sicher.
5. Gibt es eine bestimmte kulturelle Bewegung oder Ära, die im Zentrum deiner kreativen Arbeit steht?
Keine bestimmte Ära, aber ich erinnere mich gern an die späten 70er Jahre als glamouröse Zeit, wenn ich als Kind die Erwachsenen betrachtete. Mich interessierten immer die Jugend und Zeit als junges Mädchen als etwas, das in Filmen oft falsch dargestellt wurde.
6. Seit deinem Debüt 1999 mit The Virgin Suicides, hast du sieben Spielfilme gedreht. Was hat sich im Laufe deiner Karriere verändert? Was blieb gleich?
Ich versuche immer, mich selbst anzutreiben und scheue mich nicht vor Herausforderungen, mit denen ich etwas Persönliches verbinde. Ich arbeite stets intuitiv und habe diese Herangehensweise mit der Zeit verfeinert. Ich hoffe, ich kann der Welt etwas hinterlassen, mit dem sich die Leute verbunden fühlen.
7. Jeder einzelne Soundtrack deiner Filme bleibt im Gedächtnis. Nach welchen Kriterien suchst du die Musik aus?
Ich habe schon immer gern Bands großwerden sehen und Musik war mir stets wichtig. Es macht mir Spaß, Musik in meine Filme miteinzubinden und ich wähle Lieder, die mir gefallen oder gut zu einer bestimmten Szene passen. Wenn ich schreibe, höre ich Musik, was Einfluss auf die Atmosphäre eines Films haben kann.
8. In deinem neuesten Film On the Rocks, für den du das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hast, gibt es eine Szene, in der Bill Murrays Figur seine Tochter fragt: „Wusstest du, dass eine Frau am schönsten zwischen 35 und 39 ist?“ Basiert diese Frage auf persönlichen Erfahrungen?
Ha, ja davon hatte ich gehört und der Gedanke des Verfallsdatums ist ein Teil der amerikanischen Kultur.
9. Was sticht von all den Filmfesten und Preisverleihungen, die du besucht hast, am meisten heraus?
Zu hören, dass ich in Cannes zur besten Regisseurin (nach langer Zeit als zweite Frau) ausgezeichnet wurde, ist unvergesslich. Ich war gerade in Coney Island mit meinen Kindern, als ich es erfuhr und in der Woche darauf gratulierten mir Frauen auf der Straße. Ich habe mich ihnen sehr verbunden gefühlt.

Mast Books im Stadtteil East Village, wo Sofia sich gerne inspirieren lässt (siehe Frage 19). Der Onlineshop verkauft neben Büchern auch Markenartikel. mastbooks.com

10. Welche Momente machen dich als Regisseurin glücklich?
Wenn mir erzählt wird, wie meine Filme verbinden. Das gibt mir das Gefühl, dass es die Mühe wert war und ich fühle mich mit den Leuten verbunden.
11. Seit einigen Jahren kann man immer mehr Filme, dank unzähliger Streamingdienste, zu Hause oder unterwegs ansehen. Hat dieser Trend, obwohl der Besuch im Kino immer etwas Besonderes bleiben wird, deine Arbeit beeinflusst?
Ich finde es toll, dass man zu Hause so viel sehen kann, aber die Erfahrung, etwas auf einer großen Kinoleinwand zu sehen, ist so anders, einzigartig und kraftvoll. Ich hoffe, die Leute gehen auch weiterhin ins Kino. Außerdem kann man sich ganz anders konzentrieren als zu Hause und man spürt die Verbindung zu den anderen Leuten, mit denen man seine Gefühle teilt.
12. Welches ist dein Lieblingskino?
Ich liebe das Paris Theater in New York und das Egyptian in LA.
13. Zu einer guten Arbeit gehört ein gutes Team. Was macht eine gute Vorgesetzte aus?
Mein Team ist mir sehr wichtig und ich versuche, auf sie zu achten und ihnen zu zeigen, wie viel sie mir bedeuten.
14. Du folgst konsequent deinem persönlichen Stil, ohne dich beeinflussen zu lassen. Hast du mit der Zeit bewusst Änderungen vorgenommen?
Ich mochte schon immer schlichte Klassiker und wollte mich niemals als jemand anderes verkleiden.
15. Das Motto der aktuellen Ausgabe des LifeWear Magazins ist Die Freude an Kleidung und wir untersuchen Beziehung zwischen Mensch und Kleidung. Welche Teile verbessern deine Stimmung?
Ein schönes Kleid oder mich für eine Party zurechtzumachen, stimmt mich glücklich! Ich trage zur Arbeit gern etwas Schlichtes, weil es komfortabel ist und ich mich auf die Arbeit konzentrieren kann. Aber ich ziehe mich gern für besondere Anlässe oder wenn ich mich mit Freunden treffe, hübsch an.
16. Wenn du deine Garderobe auf das Nötigste reduzieren müsstest, was würde übrigbleiben?
Jeans, T-Shirt, mein blauer Kaschmirpullover für Herren, ein schönes Kleid, Ballerinas und Sneaker.
17. 2006 eröffnete UNIQLO den ersten Store in den USA im New Yorker Stadtteil SoHo. Was hältst du von UNIQLO?
Ich mag die Kollektionen von UNIQLO und JW ANDERSON und kaufe gern Winter Basics für meine Kinder.
18. Was ist deine Routine am Morgen?
Ich brauche vor allem anderen einen Tee, dann bringe ich die Kinder zur Schule, gehe mit dem Hund raus und gönne mir noch einen Tee, öffne mein Notizbuch und entscheide, was ich den Tag über erledige. Ich versuche, ein Gleichgewicht zwischen Familie und meiner kreativen Arbeit an Projekten herzustellen.

Buvette in West Village, Sofias Lieblingsort, um Freunde zu treffen. Das Angebot ist Tag und Nacht dasselbe und die Atmosphäre lässt dich glauben, du wärst in Paris. Das Buvette gibt es außerdem in London, Paris, Tokio und Mexiko-Stadt. ilovebuvette.com

Sofias Atelier in East Village. Die Auswahl an Postern und Büchern gibt Einblick in ihre Gedankenwelt. Andrew Durham, der die Fotos während des Interviews schoss, arbeitet seit ihrem Debüt mit Sofia zusammen. Dies garantierte eine entspannte Atmosphäre.

Buvette in West Village, Sofias Lieblingsort, um Freunde zu treffen. Das Angebot ist Tag und Nacht dasselbe und die Atmosphäre lässt dich glauben, du wärst in Paris. Das Buvette gibt es außerdem in London, Paris, Tokio und Mexiko-Stadt. ilovebuvette.com

17. 2006 eröffnete UNIQLO den ersten Store in den USA im New Yorker Stadtteil SoHo. Was hältst du von UNIQLO?
Ich mag die Kollektionen von UNIQLO und JW ANDERSON und kaufe gern Winter Basics für meine Kinder.
18. Was ist deine Routine am Morgen?
Ich brauche vor allem anderen einen Tee, dann bringe ich die Kinder zur Schule, gehe mit dem Hund raus und gönne mir noch einen Tee, öffne mein Notizbuch und entscheide, was ich den Tag über erledige. Ich versuche, ein Gleichgewicht zwischen Familie und meiner kreativen Arbeit an Projekten herzustellen.
19. Wie reagierst du auf Kreativblockaden? Wie bekommst du den Kopf frei?
Wenn ich unter einer Blockade leide, gehe ich gern ungestört ohne Telefon spazieren. Ich besuche auch sehr gern den Blumenmarkt. Ich liebe die holländischen Blumen im Viertel, wo auch Floristen einkaufen gehen. Außerdem schaue ich mir gern Bücher im Mast Books an und lasse mich inspirieren.
20. Sollten deine Kinder in der Filmindustrie arbeiten wollen, was würdest du ihnen raten?
Ich ermutige sie immer, das zu tun, was sie interessiert.
21. Wenn du einen Laden in Tokio eröffnen könntest, was würdest du verkaufen?
Ich glaube, es wäre lustig, einen kleinen Laden mit all meinen Lieblingsdingen zu führen und ein kleines Unternehmen zu unterstützen, das Produkte herstellt, die ich mag.
22. Während der Pandemie hören immer mehr Leute Radio und Podcasts. Hast du eine Lieblingssendung?
Ich höre gern Dax Shepards Armchair Expert.
23. Welcher ist dein liebster Karaoke Song?
Das ist geheim!
24. Gibt es Bücher, die du immer wieder lesen kannst?
Anna Karenina und Haus Bellomont.
25. Welche Mahlzeit würdest du als letzte essen wollen?
Sushi.

Sofias Atelier in East Village. Die Auswahl an Postern und Büchern gibt Einblick in ihre Gedankenwelt. Andrew Durham, der die Fotos während des Interviews schoss, arbeitet seit ihrem Debüt mit Sofia zusammen. Dies garantierte eine entspannte Atmosphäre.

Sofias Filmografie

  • Film
  • Fernsehen

The Virgin Suicides (1999/97min)

Lost in Translation (2003/102min)

Marie Antoinette (2006/122min)

Somewhere (2010/98min)

The Bling Ring (2013/90min)

A Very Murray Christmas (2015/56min)

The Beguiled (2017/94min)

On the Rocks (2020/97min)

Sofia Coppola

Regisseurin

1971 als Tochter des Regisseurs Francis Ford Coppola in eine Hollywood-Familie geboren. Sie feierte ihr Spielfilmdebüt als Regisseurin und Drehbuchautorin mit The Virgin Suicides und drehte bis heute acht Filme. Beliebt ist sie für ihre Kunstfertigkeit und die Originalität ihrer Drehbücher. Sie wurde 2017 zur besten Regisseurin bei den Filmfestspielen in Cannes für The Beguiled ausgezeichnet. Ihr Sinn für Style und Mode haben ihr internationale Anerkennung als Stilikone eingebracht. Die zweifache Mutter kennt man außerdem für ihre Liebe zu Japan.

Seite teilen